Tony’s Suicide Chopper

Custombikes – vornehmlich jene mit hochgezogener Downtube – werden meist nur zum gemütlichen Cruisen gebaut. Rick hat diese Maschine für seinen Freund Tony, der zwar auf derartige Scooter steht, aber von gemächlichem Dahingleiten überhaupt nichts hält, auf die Räder gestellt. Ein starrer Chopper, mit ausreichend Wums zwischen den Schenkeln, der die Tachonadel zügig bis hinter die 200-Markierung treibt, sollte es werden.

Tony hat sich einen richtigen Dampfhammer gewünscht, mit dem er es ordentlich krachen lassen kann. Schließlich gibt es in Deutschland immer noch Autobahnabschnitte ohne Speed-Limit. Genau dort lebt er seine Triebe hin und wieder mit wachsender Begeisterung aus. Somit drängt sich zwangsläufig eine Frage auf: Hätte sich dazu ein Rennsemmel aus dem Land des Lächelns nicht deutlich besser geeignet? Ganz bestimmt, aber erstens kann das jeder, und zweitens wäre es todlangweilig.

Mit einem Starrrahmen über die Pisten zu fegen verschafft dem Speedfreak erst den eigentlichen Kick. Es hat schließlich seinen Grund, warum die Mühle ” Suicide ” heißt. Doch obwohl Tony die etwas flottere Gangart bevorzugt, haben wir es hier nicht mit einem selbstmordgefährdeten Speedjunkie zu tun, der nur eine Gasgriffstellung kennt. Aber hin und wieder, wenn die A5 zwischen Frankfurt und Basel frei ist, lässt er die Kühe gerne fliegen. Dann scheißt er auf jegliche Vernunft, trotz überproportional steigendem Fahrtwind. Der Trick ist eigentlich ganz einfach. Wer jemals ohne Verkleidung jenseits von 140 unterwegs war, weiß dass spätestens dann der Kinnriemen des spartanischen Jethelmes die Luft zum Atmen abschnürt. Während viele reflexartig vom Gas gehen würden, fährt Tony eine ganz andere Strategie. Irgendwann, so zwischen 180 und 200 Stundenkilometern bläst ihm der Fahrtwind so stark ins Gesicht, dass es zu einer Art nasaler Zwangsbeatmung kommt und somit die Sauerstoffversorgung wieder sichergestellt ist. Eine gesunde Nackenmuskulatur und intakte Bandscheiben natürlich vorausgesetzt.

Als Tony mit seinem Wunsch auf Rick zukam, folgten zwei endlos lange Minuten des Schweigens. Einerseits hat man bei den Baden-Badnern Verständnis für durch geknallte Typen, andererseits wurde hier schon so manches zunächst für unrealisierbar gehaltene Projekt umgesetzt. Nicht zuletzt weil Freundschaft verpflichtet, hat Rick schließlich zugesagt, seinem Kumpel den flotten Chopper zu konstruieren. Der passende Rigid-Frame gehört bereits seit längerem zum Programm. In der Vergangenheit hatte sich der Rahmen vom Typ “Cafe Rodder” schon bei ganz anderen Projekten bewährt und kann als ausgereift betrachtet werden. Weil das gesamte Konzept schon etwas verrückt klingt, gab es keinen Grund dem sprichwörtlichen Fass nicht mit einer Springergabel den Boden auszuhauen. Dass diese entsprechend verstärkt werden musste, versteht sich von selbst. Das Frontend stammt von Redneck Engineering und wurde in drei Zoll über dem Normalmaß geordert. Bleibt also noch die Frage zu klären, mit welchem Kraftspender der Feuerstuhl angetrieben wird. Die Wahl fiel auf Harleys Twin Cam, der vor dem Einbau zwecks Kraft kur zu G&R geschickt wurde. Die Jungs um Günter Sohn haben ihre Erfahrungen auf dem Drag Strip gesammelt und darauf basierend ein Tuning KIT für Harley entwickelt, dass den V2 zu einem potenten Kraftprotz mutieren lässt. Dieses Stage-1-KIT, eine Andrews Nockenwelle und eine Altmann-Zündung mobilisieren aus 1650 Kubikzentimeter stolze 100 Pferde, die für Tonys Sprints ausreichen dürften.

Die Frage danach, wer dem Hobel den passenden Anstrich gab, stellt sich bei Rick in der Regel nicht. Schließlich hat man mit Wild Air Hörby einen der führenden Custompainter im House of Custom. Und so hat er sich auch diesen Chopper vorgenommen. Sollte Euch also demnächst auf irgendeiner deutschen Autobahn ein rostrotes Custombike, bei dem sich der Rider im Fahrtwind grinsend an die Lenkstange klammert, überholen – dann ist es wohl Tony, der mal wieder eine seiner Vollgasorgien feiert.

Text & Fotos:
Peter Schulz

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